Wie kann ich Künstliche Intelligenz bewusst für die Bachelorarbeit nutzen?

Das ist eine sehr wichtige Frage, denn die Grenze zwischen cleverem Werkzeug und Täuschungsversuch ist oft schmal. Für Studenten und Unternehmer gleichermaßen gilt: KI sollte wie ein „sehr intelligenter Praktikant“ behandelt werden, nicht wie der Autor selbst.

Hier ist der Leitfaden, wie man KI rechtssicher und produktiv nutzt:


1. Die Rolle klären: KI als Werkzeug, nicht als Autor

Der wichtigste Grundsatz lautet: Die Eigenleistung muss erkennbar bleiben. Die Bachelorarbeit ist ein Nachweis, dass Sie wissenschaftlich arbeiten können.

  • Erlaubt (Werkzeug): Strukturierung von Inhalten, Korrekturlesen, Hilfe bei der Literaturrecherche oder das Erklären komplexer Konzepte.

  • Problematisch (Autor): Ganze Absätze oder Kapitel von der KI schreiben lassen und diese als eigene Arbeit ausgeben.

Strategien für die sichere Nutzung:

Bereich Sinnvolle Nutzung (Go) Gefährliche Nutzung (No-Go)
Struktur Erstellung einer groben Gliederung als Inspiration. Übernahme der Gliederung ohne Anpassung an die Forschungsfrage.
Recherche Zusammenfassung langer Texte oder Finden von Suchbegriffen. Direkte Übernahme von Zitaten, die die KI „behauptet“ (Gefahr von erfundenen Quellen).
Schreibprozess Umformulierung von holprigen Sätzen oder Grammatikprüfung. Generieren ganzer Argumentationsketten per Knopfdruck.

2. Der „Quellen-Check“: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist Pflicht

Eine KI „halluziniert“ oft. Wenn Sie eine KI nach Quellen fragen, wird sie Ihnen oft Titel nennen, die absolut plausibel klingen, aber nie geschrieben wurden.

  • Regel: Jede Information, die von der KI kommt, muss durch eine Primärquelle (echtes Buch, Fachartikel) verifiziert werden. Nutzen Sie Tools wie Elicit oder Perplexity AI, die direkt auf echte wissenschaftliche Datenbanken zugreifen.


3. Volle Transparenz (Die KI-Erklärung)

Die meisten Hochschulen fordern mittlerweile eine KI-Selbstständigkeitserklärung. Darin legen Sie offen:

  1. Welche Tools Sie genutzt haben (z. B. ChatGPT, DeepL, Grammarly).

  2. Wofür Sie diese genutzt haben (z. B. „Unterstützung bei der Gliederungserstellung“).

  3. In welchem Umfang die KI beigetragen hat.

Tipp: Dokumentieren Sie Ihre Arbeitsschritte. Wenn Sie Ihre Prompts (Befehle an die KI) speichern, können Sie im Zweifelsfall belegen, dass die KI nur als „Sparringspartner“ diente.


4. Den eigenen Stil bewahren

Prüfer kennen Ihre bisherigen Abgaben. Ein plötzlicher Wechsel zu einem hochgestochenen, aber inhaltsleeren „KI-Stil“ fällt sofort auf. Nutzen Sie die KI, um Ihre Gedanken zu schärfen, aber formulieren Sie das Endergebnis in Ihren eigenen Worten.

Der „Rückwärts-Test“

Können Sie jeden Satz Ihrer Arbeit in einem Gespräch spontan erklären und begründen? Wenn ja, haben Sie die KI richtig genutzt. Wenn Sie bei einem Absatz selbst nicht genau wissen, was ein Fachbegriff bedeutet, war die KI zu dominant.


Fazit: Nutzen Sie KI für das Projektmanagement Ihrer Bachelorarbeit (Zeitpläne, Struktur, Korrektur), aber lassen Sie Ihr Gehirn die inhaltliche Führung behalten.