Kann künstliche Intelligenz Kurrentschrift übersetzen?

Ja, das ist möglich, aber es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen „echter“ KI-Software und Standard-Chatbots.

Hier ist der aktuelle Stand (2026):

1. Spezialisierte KI (Der Profi-Weg)

Es gibt KI-Plattformen, die eigens dafür trainiert wurden, historische Handschriften wie Kurrent, Sütterlin oder Fraktur zu entziffern. Das bekannteste Tool ist Transkribus.

  • Wie es funktioniert: Sie laden ein Foto des Dokuments hoch. Die KI wurde mit Millionen von Wörtern aus alten Archiven trainiert und erkennt selbst individuelle Handschriften erstaunlich präzise.

  • Vorteil: Es erkennt auch „schwierige“ Schreiber und kann sogar darauf trainiert werden, die spezifische Handschrift Ihrer Urgroßmutter zu lernen.

  • Ergebnis: Sie erhalten eine Transkription (Übertragung in moderne Druckschrift). Eine Übersetzung von Altdeutsch in modernes Deutsch oder Englisch kann danach erfolgen.

2. Allgemeine KI wie ChatGPT oder Gemini (Der Gelegenheits-Weg)

Standard-Modelle haben in den letzten Jahren zwar enorme Fortschritte gemacht, stoßen bei Kurrent aber oft an Grenzen.

  • Das Problem: Chatbots neigen dazu, zu „raten“. Wenn sie ein Wort nicht lesen können, erfinden sie oft einen Satz, der zwar logisch klingt, aber nicht im Original steht.

  • Wann es klappt: Bei sehr sauber geschriebener Kurrentschrift können moderne Modelle den Inhalt oft sinngemäß erfassen. Als exakte Abschrift für die Familienforschung sind sie jedoch oft noch zu ungenau.


Tipps für die Praxis:

Wenn Sie ein altes Dokument entziffern lassen wollen:

  1. Gutes Foto: Achten Sie auf hohe Auflösung, gute Beleuchtung und flache Ausrichtung.

  2. Kontext geben: Sagen Sie der KI (oder der Software), um was für ein Dokument es sich handelt (z.B. „Ein Feldpostbrief von 1915“).

  3. Gegenprüfen: Verlassen Sie sich nie zu 100 % auf die KI, besonders bei Namen von Personen oder Orten.